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Kurztrip nach Chile

Wir haben mal wieder ein verlängertes Wochenende. Am Dienstag ist Gedenktag der Gerechtigkeit und die Präsidentin gibt den Montag gleich noch als offiziellen Brückentag frei, damit die Bürger in ihren Land ein bisschen reisen können. Das trifft sich gut, denn ich habe nur noch zwei Wochen mein Visum. Eigentlich hatte der Hermano Alberto geplant, vier Tage nach Chile zu reisen und hat dafür auch seinen Neffen eingeladen. Dummerweise braucht man, um mit dem Auto das Land zu verlassen, eine bestimmte Karte und die hatte der Hermano Alberto noch nicht. Ich weiß nicht, wann er sie beantragt hat, mindestens einen Monat vorher, aber mit dem ganzen Bürokratismus hier dauert das ewig. Auf die Post ist auch kein Verlass, am Montag wurde die Karte aus Buenos Aires losgeschickt und am Freitag war sie immer noch nicht da. Aber was solls, wir (Hermano Alberto, Hermano Pancho, die Freiwillige Marianna, der Neffe und ich) sind trotzdem am Samstag nach einigen Planänderungen Richtung Bariloche losgestartet. Dort haben die Maristen ein wunderschönes Ferienhaus am See, wo wir prompt aufgenommen wurden. Die chilenische Grenze ist auch nicht weit entfernt. 2 Stunden, für einen Argentinier ein Klacks. Ein paar Maristenfreunde haben uns am Sonntag nach Chile gefahren. Die Grenze ist sehr interessant. Als Europäer ist man Grenzen ja nicht gewohnt, ich bin bis jetzt einmal von den USA nach Kanada gereist, da war die Grenzüberquerung auch kein großes Drama. Natürlich muss man anstehen, wenn man an die Grenze kommt. Wir mussten mit dem Auto anstehen, um in das Grenzgebiet zu gelangen, dann mussten wir anstehen, damit man den Stempel für die Ausreise bekommt. Dann mussten wir anstehen, damit das Auto ausreisen darf. Erster Schritt. Die eigentliche Grenze war noch 17 Kilometer entfernt. Der chilenische Zoll 30 Kilometer. Nach dem ganzen Anstehen konnten wir uns entspannt den Pass entlangschlängeln. Wunderschöne Berge - und Vulkane. Am Wegrand war ganz viel weißer Sand von einer Eruption  2010. Auch die Bergspitzen waren weiß, nicht von Schnee, sondern Sand (nicht Asche!) Außerdem war ein Teil, aber erstaunlicherweise nur ein kleiner Teil, der Wälder absolut kahl, weiße Stämme. Beim chilenischen Zoll mussten wir uns nochmal anstellen für das Visum, das Auto und dann wurden wir und das Auto noch kontrolliert. Um 6 sind wir von Bariloche losgefahren, um halb 9 waren wir im Grenzgebiet und um 11 offiziell in Chile.
 Generell merkte man schnell, wie sich die Vegetation veränderte. Alles war viel grüner als auf der argentinischen Seite, weil es dort viel mehr regnet. Die Wolken, die vom Pazifik kommen regnen sich auf der westlichen Seite der Anden ab, bevor sie nach Argentinien kommen. Am Anfang war die Umgebung richtiger Urwald. In flacheren Gegenden wurden die Flächen als Kuhweiden benutzt. Chile ist so schmal, besteht zum Großteil aus Gebirge und Küste, da wird jedes brauchbare Stück Land effektiv genutzt. Ich fand definitiv beeindruckend, dass man weit entfernt den schneebedeckten Vulkan Osorno sehen konnte. Die Häuser, die man auf dem Land sah, waren alle aus Holz, was mich ein bisschen an Schweden erinnert hat.
Nach weiteren eineinhalb Stunden fahrt kamen wir in unserem Ziel, der Stadt Osorno an. Ich wollte eigentlich ein bisschen die Stadt besichtigen, doch ich änderte bald meine Meinung, als ich am Anfang der Truppe in das erste Kaufhaus gefolgt bin. Alberto wollte sich ein Handy kaufen. Das ganze technische Zeugs ist hier viel billiger als in Argentinien, obwohl der argentinische Peso nichts wert ist. Auch auf den Euro umgerechnet sind die Fernseher und Tabletts viel billiger als in Deutschland. (wenn ich die deutschen Preise richtig in Erinnerung habe). Die Tabletts haben alle nicht mehr als 150 Euro gekostet und riesige Ultra HD Fernseher gerade mal 1000€. Aber nicht deswegen habe ich meine Meinung geändert, sondern weil ich die ganzen schönen Klamotten gesehen habe, die umgerechnet auch billig waren. Nach dem Mittagessen bin ich sofort los und habe mich in die Läden gestürzt. Ich hatte zwei Stunden Zeit, mir was tolles auszusuchen. Nach ca. Einer Stunde war ich fast am verzweifeln. Ich hätte heulen können. Ich habe mir so viele Sachen gefunden und hätte  noch mehr gefunden, Handtaschen unter 30€ oder Schmuck, aber ich hatte die ganze Zeit mein 23 Kilo Gepäcklimit im Kopf... Ich bin schon mit 23 Kilo nach Argentinien gekommen.. Zwar auch mit einigen Gastgeschenken und Sachen wie zb Handtüchern, die ich da lassen werde, aber ich muss noch viel viel mehr dalassen, damit ich kein Übergepäck zahlen muss. Ich habe mir vier Teile gekauft und mich im Geiste dafür schon von meinem Glätteisen, Schuhen und anderen Oberteilen verabschiedet. Aber ich konnte einfach nicht widerstehen und vor allem nicht zu diesen Preisen. Und ich rede hier nicht von irgendwelchen Bolivianer Anziehsachen auf Märkten, sondern Markenmode in Kaufhäusern. Gott sei Dank hat dann auch noch meine Karte funktioniert (in Argentinien hatte ich damit schon so meine Probleme) und konnte glücklich die Heimreise antreten.
Meine letzte Sorge war dann die argentinische Grenze. Ich hatte schon 6 Monate Visum und ein bisschen Angst, dass sie mich deshalb nicht mehr einreisen lassen, weil es eigentlich heißt, dass es nur insgesamt 6 Monate Turistenvisum gibt. Zudem hat mich der Alberto dann auch noch ständig damit verarscht, dass sie mich, wenn ich Pech habe, nicht wieder einreisen lassen. Aber den Grenzbeamten musste ich nicht einmal mit meinen blonden Haaren und meinem hinreißenden Lächeln bezirzen, damit er mir ein neues Visum gibt. Ohne mich anzusehen hat er mir den Stempel in den Reisepass gedrückt. Ich bin jetzt also weiterhin legal im Land, habe ein paar tolle Klamotten gekauft und Eindrücke von einem neuen Land gesammelt! (zwar nur für ein paar Stunden, dafür konnte ich am Montag in bariloche am See chillen) Was will man mehr?
24.3.15 12:28
 


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